Gängige Fehler vermeiden

Zehn gängige Fehler bei Scheidung und Trennung

Eine Ehe scheitert nicht von einem Tag auf den anderen. Meistens geht der Trennung eine schmerzhafte Zeit voraus, die von Streit und Meinungsverschiedenheiten geprägt ist. Das Vertrauen in den Ehepartner schwindet, während man noch hofft, dass alles wieder in Ordnung kommt. Ist die Entscheidung zur Trennung dann getroffen, möchte man der Situation so schnell wie möglich entfliehen. Die Emotionen kochen hoch, und Rachegedanken stellen sich ein. So verständlich das auch ist: geben Sie Ihren Gefühlen jetzt nicht nach. Gerade jetzt ist es wichtig, wohlüberlegt die Weichen für die Zukunft zu stellen.

1. Geben Sie nicht zu früh auf.

Überlegen Sie, ob Sie wirklich schon alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben, Ihre Ehe noch zu retten. Tun Sie dies am besten gemeinsam mit Ihrem Partner. Erinnern Sie sich an die guten Zeiten, die sie zusammen hatten. Erinnern Sie sich an ihr Eheversprechen. Fragen Sie sich, zu was Sie wirklich bereit wären, wenn Sie wüßten, dass Sie dadurch Ihre Ehe noch retten könnten.

Jede Ehe durchlebt schwierige Zeiten. Ausnahmslos jede. Andere waren in derselben Situation wie Sie. Sie können eine Entscheidung treffen und gemeinsam gestärkt aus der Krise hervorgehen. Machen Sie sich keine Illusionen: die Scheidung ist nicht die Lösung aller Ihrer Probleme. Die Scheidung ist immer mit Verlusten verbunden. Es lohnt sich wirklich, es noch einmal miteinander zu versuchen. Nutzen Sie die Möglichkeit der Eheberatung. Es ist Ihre Entscheidung. Treffen Sie diese gemeinsam.

2. Warten Sie nicht zu lange.

Lesen Sie dies nur, wenn Sie vorher lange und gründlich über den ersten Punkt ‚Geben Sie nicht zu früh auf‘ nachgedacht haben. Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Dennoch sollten Sie Ihre Entscheidung nicht auf die lange Bank schieben. Herumeiern bringt nichts. Möglicherweise ändert sich die Sachlage noch einmal, sobald Sie erste Konsequenzen getroffen haben und Ihr Partner merkt, dass Sie es ernst meinen. Behalten Sie das Heft des Handelns in Ihrer Hand und treffen Sie für sich eine Entscheidung. Sie können die Trennung selbst vollziehen oder akzeptieren, dass sich Ihr Partner getrennt hat. Gibt es konkrete Punkte, die Sie an einer Entscheidung hindern? Es hindert Sie niemand daran, sich doch noch zu versöhnen, die Trennung zu beenden und die Scheidung abzublasen.

3. Versuchen Sie nicht, sich alleine durchzuschlagen.

Es ist keine Schande, Hilfe anzunehmen. Freunde und Verwandtschaft sind eine wichtige Stütze, aber denken Sie auch über professionelle Hilfe nach. Was Sie jetzt dringend benötigen, ist jemand, der es gut mit Ihnen meint, aber nicht nach Ihrem Mund redet. Dies kann ein Eheberater, ein Therapeut, ein Mediator oder ein Anwalt sein. Bedenken Sie, dass im Fall einer Scheidung auch das Gericht nicht auf Ihrer Seite steht, sondern unabhängig urteilt. Suchen Sie die Meinung eines neutralen Dritten. Sie müssen sich nicht über den Tisch ziehen lassen, aber sie sollten dazu bereit sein, sich korrigieren zu lassen und gegebenenfalls Ihre Meinung zu ändern.

4. Sehen Sie nicht zu schwarz.

Ja, eine Scheidung ist bitter und emotional anstrengend. Ja, Ihr Leben wird sich ändern. Aber: es gibt auch ein Leben nach der Scheidung. Verfallen Sie jetzt nicht in Depressionen. Eine Scheidung ist nicht nur das Ende, sondern auch ein neuer Anfang. Es sind nicht zwangsläufig Sie, der jetzt die gemeinsame Wohnung verlassen muss. Sie müssen in der Trennungsphase nicht sofort damit beginnen, ihr eigenes Geld zu verdienen: Es gibt den Anspruch auf Trennungsunterhalt. Versinken Sie nicht in Selbstmitleid, sondern besinnen Sie sich auf Ihre Stärken und lernen Sie aus der Situation. Wer sind Ihre wirklich guten Freunde? Halten Sie die Augen offen und knüpfen Sie neue Beziehungen: vielleicht mit Menschen, die in der gleichen Situation stecken?

5. Gehen Sie nicht blauäugig mit Ihren Finanzen um

Überlegen Sie sich, wovon Sie nach der Scheidung leben wollen. Möglicherweise wird Ihr Partner Trennungsunterhalt und Kindesunterhalt zahlen, aber vielleicht nicht freiwillig oder sofort? Versuchen Sie, sich etwas eigenes Geld anzusparen. Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre Finanzen und die Finanzen Ihres Partners. Sehen Sie sich Kontoauszüge an. Welche Einnahmen haben Sie? Wo fließt das Geld hin? Wo sind gemeinsame Unterlagen, Urkunden, Kreditverträge? Legen Sie sich einen eigenen Ordner an und kopieren Sie wichtige Dokumente.

6. Führen Sie kein gemeinsames Bankkonto mehr.

Ein gemeinsames Bankkonto führt nur zu unnötigen Fragen, Streß und Streit. So kann es etwa passieren, dass der Partner das Guthaben vollständig abhebt oder das Konto sogar bis zur Höhe des bestehenden Dispokreditlimits überzieht. Sie sollten also die Bank umgehend darüber informieren, dass Sie sich getrennt haben und das Dispolimit auf Null setzen. Der Vorteil eines eigenen Kontos für jeden Partner ist unter anderem der, dass man sich nicht ständig erklären und für alle Ausgaben rechtfertigen muss. Eröffnen Sie also ein günstiges Online-Konto. Sobald das Konto eingerichtet ist, können alle Ihnen zustehenden Geldeingänge sofort auf ihr eigenes Konto fließen.

7. Beginnen Sie keinen Rosenkrieg.

Eine Scheidung ist ein in vielerlei Hinsicht anstrengender, langwieriger und belastender Zeitabschnitt. Es ist sehr einfach, den daraus resultierenden Streß, die Dauer und die Kosten um ein Vielfaches zu steigern: beginnen Sie einen Rosenkrieg.

Wenn Sie sich und Ihren Partner so richtig fertig machen wollen, dann sollten Sie sich sofort einen eigenen Anwalt nehmen. Verfolgen Sie Ihren Partner gerichtlich. Reden Sie vor Ihren Kindern und gemeinsamen Freunden schlecht über Ihn. Lassen Sie sofort das Schloss an der Wohnungstür austauschen. Erwirken Sie eine einstweilige Anordnung, dass er die Kinder nicht mehr sehen darf. Bauschen Sie Kleinigkeiten auf und übertreiben Sie Sachverhalte. Denunzieren Sie ihn beim Arbeitgeber. Ruinieren Sie seinen Ruf. Streuen Sie Gerüchte über Ihn. Versuchen Sie, alle gemeinsamen Bekannten auf Ihre Seite zu ziehen.

Wenn Sie das wirklich wollen, kann Sie daran vermutlich niemand hindern. Aber auch wenn Sie genug Geld haben, um Anwälte und Gerichte mit Ihrem Rachefeldzug lange zu beschäftigen, und auch wenn Sie tatsächlich völlig zu Unrecht in diese von Ihrem Partner verschuldete Situation geraten sind: Tun Sie es nicht. Sie werden nicht davon profitieren. Das Gefühl der Genugtuung hält nicht lange an, wenn es sich denn überhaupt einstellt. Sie werden sich selbst beschädigen. Also: Sie sollten es sich selbst wert sein, auf einen Rosenkrieg zu verzichten. Vermeiden Sie in jedem Fall eine streitige Scheidung.

8. Verweigern Sie dem Partner nicht den Umgang mit den Kindern.

Nehmen Sie Ihre Kinder nicht als Geiseln oder Druckmittel. Auch wenn Ihr Gatte vielleicht kein guter Ehepartner ist: Kinder brauchen ihre Väter, und Kinder brauchen ihre Mütter. Beeinflussen Sie sie nicht negativ. Sie werden sich später selbst eine Meinung über beide Elternteile bilden. Eine Scheidung ist eine Angelegenheit zwischen Ihnen und Ihrem Partner. Unterliegen Sie nicht der Versuchung, Ihrem Partner die Kinder auf welche Weise auch immer zu entziehen. Bedenken Sie, dass ein Umgangsrecht mit dem anderen Elternteil aus gutem Grund im Gesetz verankert ist und auch das Kind ein eigenes Umgangsrecht hat. Verwechseln Sie das Umgangsrecht nicht mit dem Sorgerecht.

9. Schummeln Sie nicht beim Trennungsjahr.

Der Scheidungsantrag kann erst nach Ablauf des Trennungsjahres gestellt werden. Diese Hürde hat der Gesetzgeber mit voller Absicht vor die Scheidung gestellt. Daher verzichten Sie darauf, sich mit Ihrem Ehepartner insgeheim darauf zu verständigen, das Trennungsjahr wahrheitswidrig zu verkürzen. Sollte die Wahrheit wider Erwarten ans Licht kommen, weil sich Angaben widersprechen oder Ihr Partner sich vielleicht im mündlichen Scheidungstermin nicht mehr an die Abmachung erinnern kann, kann es durchaus sein, dass der Richter Ihren Scheidungsantrag gebührenpflichtig zurückweist.

10. Vertrauen Sie nicht auf mündliche Abmachungen.

Im Eifer des Gefechts sagt man manchmal Dinge, an die man sich hinterher nicht mehr richtig erinnern kann. Das ist menschlich. Manchmal wird ein und derselbe Sachverhalt auch unterschiedlich verstanden. Das sind die Tücken der verbalen Kommunikation. Das gesprochene Wort ist nun einmal sehr flüchtig. Auch wenn beide Ehepartner darin übereinstimmen, dass die Scheidung einvernehmlich sein soll und man sich grundsätzlich über alle Angelegenheiten einigen will, sollten alle getroffenen Absprachen unbedingt schriftlich getroffen werden. Die Regelungen für das Sorge- und Umgangsrecht, den Zugewinnausgleich oder die Übertragung von Immobilien sollten Sie mit dem Anwalt Ihres Vertrauens im Rahmen einer Scheidungsfolgen­vereinbarung festlegen.

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